Publish your offer now Find the French-German job of your dreams here

IT-Weiterbildung in Frankreich und Deutschland im Vergleich

IT-Weiterbildung in Frankreich und Deutschland im Vergleich

Wer zwischen Deutschland und Frankreich arbeitet, kennt die Unterschiede bei Abschlüssen und Zertifikaten. In der IT-Sicherheit sind viele Nachweise jedoch international anerkannt. Dieser Beitrag vergleicht die Fördermöglichkeiten, gefragte Zertifikate und wichtige Punkte für zweisprachige Fachkräfte beim Länderwechsel.

 



Ein Arbeitsmarkt mit zwei Türen

1. Ein Arbeitsmarkt mit zwei Türen

In Deutschland fehlen nach Zahlen des Digitalverbands Bitkom rund 109.000 IT-Fachkräfte, und mehr als jede vierte neu besetzte IT-Stelle geht inzwischen an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.

Frankreich baut seine Kapazitäten in der Cybersicherheit ebenfalls seit Jahren gezielt aus. Die nationale Behörde für die Sicherheit der Informationssysteme, die ANSSI, vergibt dafür sogar eigene Gütesiegel für Aus- und Weiterbildungsprogramme.

Für Menschen, die beide Sprachen sprechen, entsteht daraus ein Arbeitsmarkt mit zwei Türen. Gefragt sind sie bei Unternehmen mit Standorten in beiden Ländern, bei europäischen Institutionen und bei Dienstleistern, die Kunden diesseits und jenseits der Grenze betreuen.


2. Förderung in Deutschland: Bildungsgutschein

In Deutschland ist der Bildungsgutschein das zentrale Förderinstrument. Ausgestellt wird er von der Agentur für Arbeit, seit 2025 auch für Kundinnen und Kunden des Jobcenters, und zwar für Menschen, die arbeitslos sind, denen Arbeitslosigkeit droht oder die keinen verwertbaren Berufsabschluss haben.

Grundlage ist ein Beratungsgespräch, in dem die Agentur prüft, ob die Weiterbildung für die berufliche Eingliederung notwendig ist. Einen Rechtsanspruch gibt es in der Regel nicht.

Gefördert werden ausschließlich Träger und Maßnahmen, die nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind. In diesem Fall übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten vollständig, je nach Situation auch weitere Kosten wie Fahrten oder Kinderbetreuung. Für Beschäftigte gibt es ergänzende Förderwege, die in Absprache mit dem Arbeitgeber genutzt werden können.

Für Französinnen und Franzosen in Deutschland ist ein Punkt oft entscheidend, nämlich die Unterrichtssprache. Einige AZAV-zertifizierte Anbieter unterrichten auch auf Englisch. Bei Cybersteps etwa lässt sich eine Weiterbildung in der IT-Sicherheit wahlweise auf Deutsch oder Englisch belegen.

Wer im Deutschen noch nicht ganz sicher ist, sollte deshalb gezielt nach englischsprachigen Kursen fragen. Ob ein solcher Kurs gefördert wird, entscheidet auch hier die Agentur im Einzelfall.



Förderung in Frankreich - CPF, France Travail, Transitions Pro

3. Förderung in Frankreich: CPF, France Travail, Transitions Pro

Frankreich setzt stärker auf ein persönliches Weiterbildungskonto. Über den Compte personnel de formation (CPF) sammeln Beschäftigte jedes Jahr ein Guthaben in Euro an, bis zu einer festgelegten Obergrenze. Eingesetzt wird es über die staatliche Plattform Mon Compte Formation.

Für IT-Weiterbildungen gilt dabei in der Regel: Buchbar sind Kurse, die zu einer Zertifizierung aus dem Répertoire national des certifications professionnelles (RNCP) oder dem Répertoire spécifique (RS) führen.

Der Anbieter braucht außerdem das Qualitätssiegel Qualiopi, das ähnlich wie die Trägerzulassung nach AZAV die Qualität des Anbieters bestätigt. Seit 2024 ist bei vielen CPF-Buchungen ein pauschaler Eigenanteil fällig, für Arbeitsuchende gelten Ausnahmen.

Für Arbeitsuchende ist France Travail zuständig. Reicht das CPF-Guthaben nicht aus, kann France Travail eine Weiterbildung ergänzend oder vollständig finanzieren, sofern die Behörde vor Kursbeginn zugestimmt hat.

Wer als Angestellte oder Angestellter den Beruf wechseln möchte, kann über Transitions Pro ein Projet de transition professionnelle beantragen. Wird der Antrag bewilligt, wird das Gehalt während der Weiterbildung ganz oder teilweise weitergezahlt, je nach Gehaltshöhe und Dauer.


4. Welche Zertifikate in beiden Ländern zählen

In der IT-Sicherheit sind die gefragtesten Nachweise nicht an ein Land gebunden. Hersteller- und herstellerunabhängige Zertifikate sind in Berlin genauso gefragt wie in Lyon.

Für den Einstieg gehört CompTIA Security+ dazu, im Netzwerkbereich Cisco CCNA und für Cloud-Umgebungen die Microsoft-Zertifizierungen zu Azure und zur Sicherheit.

Im Sicherheitsmanagement ist der ISO/IEC 27001 Lead Implementer verbreitet, erfahrene Fachkräfte ergänzen ihr Profil mit Nachweisen wie CISSP oder CISM.

Daneben gibt es nationale Abschlüsse, die im Nachbarland erklärt werden müssen:

  • In Deutschland sind das zum Beispiel IHK-Zertifikatslehrgänge wie der IHK Cyber Security Advisor.

  • In Frankreich sind es Titel aus dem RNCP, etwa der Titre professionnel "Administrateur d'infrastructures sécurisées". Die ANSSI vergibt zusätzlich die Label SecNumedu und SecNumedu-FC für Erstausbildungen und für die Weiterbildung. Sie sind eine gute Orientierung bei der Wahl eines französischen Anbieters

Auch die Stellenanzeigen lesen sich unterschiedlich:

  • In Frankreich wird häufig ein Abschluss auf einem bestimmten Niveau verlangt, etwa Bac+3 oder Bac+5.

  • In Deutschland ist öfter von einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem Studium die Rede.

Internationale Zertifikate werden in beiden Ländern zusätzlich genannt und können fehlende formale Abschlüsse gerade bei Einstiegsrollen teilweise ausgleichen.
Einige internationale Zertifikate sind in Frankreich im Répertoire spécifique eingetragen und damit über den CPF finanzierbar. Ob das für ein bestimmtes Zertifikat gilt, zeigt eine Suche auf der Website von France Compétences.



Anerkennung über die Grenze

5. Anerkennung über die Grenze

Für Hochschulabschlüsse gibt es auf beiden Seiten eigene Anlaufstellen:

  • In Deutschland hilft die Datenbank anabin bei der Einschätzung ausländischer Hochschulabschlüsse, bei Bedarf stellt die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen eine Zeugnisbewertung aus.

  • In Frankreich übernimmt das Centre ENIC-NARIC diese Aufgabe und stellt auf Antrag eine Vergleichbarkeitsbescheinigung aus.

Für Berufsabschlüsse sind in Deutschland andere Stellen zuständig, bei IHK-Berufen etwa die IHK FOSA. Für die meisten IT-Stellen ist eine formale Anerkennung aber gar nicht nötig, weil diese Berufe nicht reglementiert sind.

Zur groben Einordnung hilft außerdem der Europäische Qualifikationsrahmen, auf dem ein Bachelor in beiden Ländern der Stufe 6 entspricht. Bei Herstellerzertifikaten entfällt dieser Schritt. Sie werden weltweit nach denselben Prüfungen vergeben und lassen sich über die Anbieter online verifizieren.


6. Praktische Hinweise für den Wechsel zwischen beiden Ländern

Welche Förderung infrage kommt, hängt davon ab, in welchem Land Sie arbeiten, versichert oder arbeitslos gemeldet sind:

  • Wer in Deutschland arbeitslos gemeldet ist, wendet sich an die Agentur für Arbeit.

  • Wer in Frankreich gemeldet ist, wendet sich an France Travail. Ein vorhandenes CPF-Guthaben bleibt auch nach einem Umzug erhalten und lässt sich weiter für Angebote nutzen, die auf Mon Compte Formation buchbar sind, etwa für Online-Kurse.

Wer eine Weiterbildung in Deutschland plant, prüft am besten vorab in der Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit, ob Anbieter und Kurs zugelassen sind.

In vielen IT-Sicherheitsteams ist Englisch die Arbeitssprache. Wer Deutsch, Französisch und Englisch kombiniert, hat bei international aufgestellten Arbeitgebern einen klaren Vorteil.

Bei international anerkannten Zertifikaten lohnt es sich, die Prüfung selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Sie behält ihren Wert unabhängig davon, in welchem Land die nächste Stelle liegt.

Mehr dazu:

 
Olivier Geslin

Olivier Geslin