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Kommunikation in Frankreich: Was tun, wenn Kollegen Sie ständig unterbrechen?

Kommunikation in Frankreich: Was tun, wenn Kollegen Sie ständig unterbrechen?

Im französischen Berufsalltag zählt nicht nur, was Sie sagen – sondern auch, wie und wann. Doch was tun, wenn man ständig unterbrochen wird?

Ob im Meeting, im Bürogespräch oder bei einer Präsentation: Unterbrechungen sind nicht nur frustrierend, sie können auch Ihre Autorität untergraben. Lernen Sie, wie Sie sich Gehör verschaffen, ohne Konflikte zu provozieren – mit einfachen, wirkungsvollen Sätzen.



1. Warum sollte man reagieren, wenn man unterbrochen wird?

1. Warum sollte man reagieren, wenn man unterbrochen wird?

" Unterbrochen zu werden ist mehr als nur ein kleiner Gesprächsfehler – es kann auf Dauer Karriere, Selbstbewusstsein und zwischenmenschliche Dynamiken belasten. "

Lea Orellana-Negrin
Recruiter
Eurojob-Consulting

Lea


Besonders für internationale Fachkräfte in Frankreich, die sich bereits in einem neuen kulturellen und sprachlichen Umfeld behaupten müssen, ist es entscheidend, mit solchen Situationen strategisch umzugehen.

Laut einer Studie der Harvard Business School fühlen sich 69 % der Arbeitnehmer weniger respektiert, wenn sie im Gespräch häufig unterbrochen werden (Harvard Business Review). Diese Erfahrung betrifft nicht nur Frauen – obwohl sie laut Studien 2,6-mal häufiger unterbrochen werden als Männer –, sondern auch Menschen, die ausländischer Herkunft sind oder deren Sprachniveau nicht muttersprachlich ist.

Ein konkretes Beispiel: In einem Teammeeting bei Capgemini, einem internationalen IT-Konzern mit starker Präsenz in Frankreich, berichtet eine deutsche Projektmanagerin, dass sie zu Beginn ihrer Tätigkeit regelmäßig unterbrochen wurde – nicht aus bösem Willen, sondern weil ihr französisches Team ein sehr schnelles, spontanes Kommunikationsverhalten hatte. Erst als sie lernte, höflich, aber bestimmt zu reagieren, änderte sich die Dynamik: Sie wurde mehr gehört, öfter einbezogen und als souveräne Führungskraft wahrgenommen.

Auch McKinsey & Company bestätigt: Teams, in denen sich alle Mitglieder gleichermaßen äußern können, erzielen bessere Ergebnisse. Psychologische Sicherheit, also das Gefühl, ohne negative Konsequenzen sprechen zu dürfen, steigert die Teamleistung um bis zu 35 %.

Wer lernt, respektvoll auf Unterbrechungen zu reagieren, zeigt nicht nur Selbstbeherrschung – sondern auch Führungskompetenz, interkulturelles Feingefühl und ein gutes Verständnis der französischen Gesprächskultur, in der Leidenschaft oft mit Dominanz verwechselt wird.



2. Ruhig und professionell reagieren: Beispielphrasen

2. Ruhig und professionell reagieren: Beispielphrasen
" In vielen Situationen im Berufsalltag – insbesondere in Frankreich – ist es ratsam, bei einer Unterbrechung zunächst ruhig und gelassen zu reagieren, anstatt sich emotional provozieren zu lassen."

Lea Orellana-Negrin
Recruiter
Eurojob-Consulting

Lea


Das Ziel: Respekt einfordern, ohne die Atmosphäre zu vergiften. Gerade in französischen Unternehmen, die Wert auf Teamdynamik und verbale Schlagkraft legen, wird eine ruhige, aber klare Kommunikation als Zeichen von Reife und Professionalität wahrgenommen.

Hier sind konkrete Beispielsätze, die Sie in Ihrem nächsten Meeting oder Gespräch mit Kolleg*innen einsetzen können:

  • „Excusez-moi, je n’avais pas terminé.“

    (Entschuldigen Sie, ich war noch nicht fertig.)

  • „Permettez-moi de finir mon idée, et ensuite je vous écoute avec plaisir.“

    (Lassen Sie mich bitte meinen Gedanken zu Ende führen, danach höre ich Ihnen gerne zu.)

  • „Je voudrais juste aller au bout de mon raisonnement, si vous me le permettez.“

    (Ich würde gerne meinen Gedankengang abschließen, wenn Sie gestatten.)

  • „Merci de me laisser finir, je vous cède ensuite la parole.“

    (Danke, dass Sie mich ausreden lassen – danach haben Sie das Wort.)

Diese Formulierungen wirken nicht anklagend, sondern zeigen, dass Sie sich Ihrer Position bewusst sind. Laut einem Bericht von Le Monde du Travail wird höfliche Durchsetzungskraft in französischen Unternehmen besonders bei internationalen Mitarbeitenden positiv bewertet. Sie beweist, dass Sie kulturell angepasst kommunizieren, aber dennoch Ihre Grenzen wahren.

Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag: Bei Orange, einem der größten Telekommunikationsunternehmen Frankreichs, wurde im Rahmen eines Diversity-Programms gezielt an der Kultur des aktiven Zuhörens gearbeitet. Internationale Mitarbeitende, die gelernt haben, auf Unterbrechungen mit genau solchen Formulierungen zu reagieren, berichteten von einer spürbaren Verbesserung der Kommunikation im Team.

Tipp: Wenn Sie sich unsicher fühlen, üben Sie diese Sätze laut für sich selbst oder in einem Simulationstraining mit einem Kollegen. So klingen sie im Ernstfall flüssig und selbstbewusst – auch wenn Ihr Französisch noch nicht perfekt ist. Nutzen Sie ggf. auch Tools wie Linguee oder DeepL zur Feinabstimmung.



3. Bestimmt, aber respektvoll kontern

3. Bestimmt, aber respektvoll kontern

Wenn ruhige Hinweise nichts bringen oder ein Kollege Sie systematisch unterbricht, ist es Zeit für eine klare, aber respektvolle Reaktion. Bestimmte Sätze helfen dabei, Grenzen zu setzen, ohne die professionelle Beziehung zu gefährden. Gerade im französischen Arbeitsumfeld – wo Redeanteil oft mit Kompetenz verwechselt wird – ist es wichtig, dass Sie lernen, sich selbstbewusst zu positionieren, besonders als internationale*r Mitarbeitende*r.

Hier einige Formulierungen, die Sie situationsabhängig nutzen können:

  • „J’aimerais pouvoir m’exprimer sans être interrompu(e).“

    (Ich würde gerne sprechen können, ohne unterbrochen zu werden.)

  • „Merci de me laisser terminer, je vous écouterai ensuite attentivement.“

    (Danke, dass Sie mich ausreden lassen – ich höre Ihnen danach aufmerksam zu.)

  • „Ce que je dis est essentiel pour que tout le monde comprenne bien la situation.“

    (Was ich sage, ist wichtig, damit alle die Situation richtig verstehen.)

  • „Je pense qu’il est important que chacun puisse aller au bout de ses idées.“

    (Ich denke, es ist wichtig, dass jeder seine Gedanken zu Ende bringen kann.)

Diese Sätze wirken deutlich, aber nicht aggressiv – ein feiner Balanceakt, der in französischen Büros sehr geschätzt wird. Laut einer Umfrage des Baromètre QualiSocial, sagen 57 % der Mitarbeitenden in Frankreich, dass sie sich durch offene und direkte Kollegen sicherer im Team fühlen. Eine klare Ansage wird oft als Zeichen von Verlässlichkeit und Führungskompetenz verstanden.

Ein konkreter Fall: Bei SNCF hatte eine deutsche Projektleiterin Probleme, sich in Meetings durchzusetzen. Nachdem sie gezielt klare Formulierungen einsetzte – kombiniert mit Blickkontakt und ruhigem Ton –, wurde ihr Beitrag ernster genommen, insbesondere von älteren französischen Kollegen, die an eine eher „verbal dominante“ Kultur gewöhnt waren.

Tipp für internationale Mitarbeitende : Vermeiden Sie ironische Kommentare oder nonverbale Zeichen wie Augenrollen – das kann in Frankreich schnell als passiv-aggressiv oder unprofessionell gelten. Stattdessen hilft ein fester, ruhiger Tonfall kombiniert mit klaren Worten, um sich Gehör zu verschaffen, ohne das Arbeitsklima zu belasten.



4. Was tun in Meetings oder bei Gruppenarbeit?

4. Was tun in Meetings oder bei Gruppenarbeit?

Meetings in französischen Unternehmen verlaufen oft lebhaft, spontan und schnell. Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Frankreich weniger formalisierte Redezeiten oder klare Strukturen in Gruppenbesprechungen. Wer wartet, bis er offiziell das Wort erhält, läuft Gefahr, überhört oder ignoriert zu werden. Besonders internationale Mitarbeitende – etwa aus dem deutschsprachigen Raum – müssen lernen, sich in dieser Dynamik aktiv zu behaupten, ohne aufdringlich zu wirken.

Typische Szenarien: Sie haben eine Idee, doch bevor Sie sie äußern können, redet schon jemand anderes. Oder Sie werden mitten im Satz unterbrochen. Hier ist es entscheidend, proaktiv, aber höflich einzugreifen. Verwenden Sie z. B.:

  • „Je souhaiterais qu’on me laisse terminer avant de réagir.“

    (Ich würde gerne ausreden dürfen, bevor jemand reagiert.)

  • „Pour que la réunion soit constructive, je propose que chacun puisse s’exprimer à son tour.“

    (Damit das Meeting produktiv ist, schlage ich vor, dass jeder nacheinander spricht.)

  • „Excusez-moi, je n’ai pas encore eu la parole sur ce point.“

    (Entschuldigen Sie, ich hatte zu diesem Punkt noch nichts gesagt.)

Besonders in hybriden oder digitalen Meetings – z. B. mit Zoom oder Microsoft Teams – kann man leicht „verschwinden“. Nutzen Sie hier aktiv Funktionen wie „main levée“ (Hand heben) oder den Chat, um sich sichtbar zu machen. Eine aktive Beteiligung wird in Frankreich oft mit Engagement und Motivation gleichgesetzt.

Laut einer Umfrage von Cadremploi sagen 71 % der französischen Angestellten, dass Meetings zu oft chaotisch verlaufen und dass es an Struktur mangelt. Wer also souverän eingreift und Struktur einfordert, wird oft als verlässlich und führungsstark wahrgenommen – auch ohne formellen Führungsanspruch.

Praktischer Tipp : Wenn Sie regelmäßig zu Wort kommen wollen, bitten Sie die Moderation (z. B. den Manager oder Scrum Master), eine Sprechreihenfolge oder ein visuelles Zeichen (ex: Tableau blanc, Kanban, etc.) einzuführen. Besonders in agilen Umfeldern, wie bei Dassault Systèmes oder Ubisoft, werden solche Vorschläge positiv aufgenommen.

Mehr erfahren:

 

Olivier

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