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Arbeitsmarkt für junge Franzosen & Deutsche: Vergleich 2026

Arbeitsmarkt für junge Franzosen & Deutsche: Vergleich 2026

Der Übergang von Ausbildung oder Studium in den Beruf ist entscheidend für die Zukunft junger Menschen. Während Deutschland weiterhin von seinem dualen Ausbildungssystem profitiert, ist der Berufseinstieg in Frankreich für junge Menschen mit höheren Hürden verbunden. Ein Vergleich zeigt die unterschiedlichen Ausgangslagen und Chancen in beiden Ländern.

 



Der Arbeitsmarkt für junge Menschen in Frankreich und Deutschland

1. Der Arbeitsmarkt für junge Menschen in Frankreich und Deutschland

Als "junge Menschen" werden für den Arbeitsmarktvergleich häufig Personen zwischen 15 und 24 Jahren betrachtet. Ende 2025 gehörten in diese Altersgruppe:

  • in Deutschland rund 8,3 Millionen Menschen, also 10 % der Gesamtbevölkerung
  • in Frankreich rund 12 % der Bevölkerung

Deutschland weist damit weiterhin einen historisch niedrigen Anteil junger Menschen auf. In Frankreich ist der Anteil etwas höher.

Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich & Deutschland

Die Unterschiede zeigen sich besonders deutlich bei der Jugendarbeitslosigkeit. Nach den aktuellen verfügbaren Daten lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in Frankreich im 2. Quartal 2026 bei 21,6 %. In Deutschland lag sie nach Eurostat bei 7,2 %.

Frankreich weist damit weiterhin eine deutlich höhere Jugendarbeitslosigkeit auf. Dagegen liegt Deutschland deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 15,1 % (Juli 2026).

☝ Zu beachten: Die Jugendarbeitslosenquote bezieht sich nur auf die Erwerbsbevölkerung dieser Altersgruppe, also auf junge Menschen, die arbeiten oder aktiv nach Arbeit suchen. Schüler und Studierende, die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, werden nicht mitgezählt.

Junge Menschen ohne Abschluss

Auch beim Bildungsabschluss bestehen Unterschiede. In Frankreich waren rund 8 % der 18- bis 24-Jährigen vorzeitig aus dem Bildungssystem ausgeschieden, das heißt, sie befanden sich weder in Ausbildung noch Weiterbildung und verfügten höchstens über einen Abschluss der unteren Sekundarstufe (Stand 2024).

Bei den jungen Menschen, die das französische Bildungssystem verlassen, verfügen inzwischen allerdings deutlich mehr über einen Hochschulabschluss: 53 % der Schul- und Hochschulabgänger hatten einen Abschluss der Hochschulbildung. Weitere 37 % verließen das Bildungssystem mit einem Abschluss der beruflichen oder allgemeinbildenden Sekundarstufe.

Arbeitslosigkeit trotz Abschluss

Auch ein erfolgreicher Abschluss garantiert jedoch keinen unmittelbaren Berufseinstieg in Frankreich. Dort können junge Absolventen zunächst über Praktika, befristete Verträge oder erste Berufserfahrungen in den Arbeitsmarkt einsteigen.

Die aktuellen Zahlen zeigen zugleich, wie wichtig Qualifikation für die berufliche Integration bleibt. Junge Menschen ohne Abschluss haben deutlich schlechtere Beschäftigungsperspektiven als Absolventen höherer Bildungswege.


2. Austausch von jungen Talenten zwischen beiden Ländern

Vor diesem Hintergrund nutzen viele junge französische Kandidaten ein VIE (Volontariat International en Entreprise), um Berufserfahrung im Ausland zu sammeln und ihren Lebenslauf international auszurichten.

Umgekehrt interessieren sich auch deutsche Nachwuchskräfte für Frankreich, insbesondere für Paris und andere wirtschaftlich dynamische Regionen. Gleichzeitig besteht in französischen Unternehmen weiterhin Bedarf an deutschsprachigen Bewerbern, insbesondere in international ausgerichteten Branchen.

Auch wenn die Gehälter für Berufseinsteiger in Frankreich je nach Branche und Region niedriger ausfallen können, sollte der Vergleich nicht allein auf dem Bruttogehalt basieren. Lebenshaltungskosten, Wohnort, Steuern und Sozialabgaben beeinflussen die tatsächliche Kaufkraft ebenfalls.



Mehrheit der jungen Franzosen und Deutschen zuversichtlich

3. Mehrheit der jungen Franzosen und Deutschen zuversichtlich

Auch die Erwartungen junger Menschen an ihre berufliche Zukunft sind überwiegend positiv. Eine repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zeigt, dass 88 % der 14- bis 21-Jährigen in Deutschland ihre berufliche Zukunft positiv oder eher positiv einschätzten (Stand 2023).

📌 Anmerkung: Eine aktuellere Bertelsmann-Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte unter anderem die Bedeutung von unternehmerischen Kompetenzen, MINT-Fächern und Fremdsprachen für die berufliche Zukunft junger Menschen. Dafür wurden 1.001 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 21 Jahren befragt.

Auch in Frankreich zeigte eine Untersuchung von Robert Walters einen hohen Optimismus unter jungen Berufstätigen: 86 % bezeichneten sich als eher oder sehr optimistisch hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven.

Eine weitere Gemeinsamkeit der jüngeren Generation in beiden Ländern ist die Bedeutung von Kriterien jenseits des Gehalts. Flexibilität, Arbeitsort, Entwicklungsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben spielen bei der Arbeitgeberwahl eine wichtige Rolle.

Unternehmen müssen diese Erwartungen berücksichtigen, wenn sie junge Talente gewinnen und langfristig binden möchten.

Mehr dazu:

 
Olivier

Olivier Geslin